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Der Sinn und Zweck des Taekwon-Do
besteht nicht nur darin, Hand- und Fußtechniken sowie Selbstverteidigung
zu trainieren. Vielmehr steht die Entwicklung
einer bestimmten Geisteshaltung,
die sich auf alle Bereiche des Lebens auswirkt, gleichberechtigt
neben dem rein körperlichen Aspekt.
"Do" bedeutet im Koreanischen
sowie auch im Japanischen "Kunst", bzw. "Pfad" oder "Weg". Es
ist die Art und Weise, in der die
Kräfte der menschlichen Persönlichkeit und jene seiner Umwelt
zusammenwirken. Die Philosophie
des Taekwon-Do wurzelt in vielen Grundsätzen, die von Religionsgelehrten
und frommen Laien im Lauf der Geschichte aufgestellt wurden. Diese
Werte können auf den Einfluss des Buddhismus und sein Prinzip
der Selbstdisziplin zurückgeführt werden. Der Buddhismus, der
im Jahre 347 v. Chr. aus China in das Königreich Koguryo gebracht
wurde, hat entscheidend zum Wachstum der koreanischen Kampfkünste
beigetragen.
Der
Kernpunkt der Taekwon-Do Philosophie
liegt darin, dem Schüler einen Weg anzubieten, durch den er sich
von seinem Ego oder, wie es die Zen-Buddhisten nennen, von seinem
diskriminierenden Geist bzw. "Ich" befreien kann, um in Harmonie
mit dem Universum zu leben. Im Mittelpunkt dieser Philosophie
steht das Konzept der Dualität
in der Natur. Diese Dualität bezeichnet man im Koreanischen als
Um und Yang (im chin. Yin und Yang). Um drückt sich im Universum
aus durch Negativität, Passivität, Sanftheit, Dunkelheit, etc.
. Yang hingegen umfasst Positivität, Aktivität, Härte. Harmonie
wird erreicht, wenn Um und Yang gleichmäßig verteilt sind. Dominiert
jedoch eine der beiden Kräfte, entsteht ein Ungleichgewicht. Wenn
beispielsweise ein Gegner positive Energie einsetzt, bzw. einen
Angriff startet, sollte der Verteidiger mit dem Einsatz negativer
(nachgebender) Energie reagieren, indem er ausweicht und dadurch
die Energie des Angriffs wirkungslos an sich vorbeifließen lässt.
Auf diese Weise wird, was ursprünglich hart war (der gegnerische
Angriff) weich (harmlos) und was weich war (die Passivität des
Verteidigers) wird hart (ein wirkungsvolles Mittel, einen möglicherweise
gefährlichen Angriff zu kontern). Dadurch wird das Gleichgewicht
wieder hergestellt.
Wenn ein Kampfkünstler
die Philosophie von Um und Yang verinnerlicht hat, befasst er
sich nicht länger unnötig mit den Begriffen "Sanftheit" oder "Härte",
sondern er reagiert so,
wie es die jeweilige Situation von ihm erfordert.
Ein
weiterer Kernpunkt des Taekwon-Do
ist, den Schüler auf eine Bewusstseinsebene zu bringen, die er
als "Gegenwart" bezeichnen wird. Diese Ebene ist erreicht, wenn
man sich im völligen Einklang mit sich selbst und der Natur befindet.
Ziel ist es, dass Aktionen und Reaktionen mit den Kräften des
Lebens stets perfekt koordiniert sind. Dieser Grundsatz kann sich
nur dann einstellen, wenn man bei allem, was man tut, mit allen
Kräften bei der Sache ist. Ein solcher Mensch kann seine Selbstbeherrschung
bewahren und seine Emotionen kontrollieren.
Diese
unerschütterliche Ruhe in den
Kampfkünsten wird bestimmt durch die bildhaften Vorstellungen
"Geist, der dem Wasser gleich ist" und "Geist, der dem Mond gleich
ist".
Im ersten Fall wird
der Geist mit einem ruhigen Wasserspiegel verglichen, der das
genaue Spiegelbild jedes Gegenstandes wiedergibt. Weht aber ein
Wind, vernichtet das Kräuseln das Spiegelbild, und wird so verzerrt,
dass es nicht wiederzuerkennen ist. Wird der Mensch von Furcht,
Aufregung, Zorn ergriffen, erweisen sich sein Geist und seine
Vernunft als machtlos im Angesicht eines gefährlichen Gegners.
Durch den Vergleich
mit dem des Geistes mit dem Mond erinnern die Zen-Patriarchen
an einen Strahlenschein, der alles ringsumher beleuchtet, jede
Schwäche in der Verteidigung des Gegners deutlich macht. Wenn
aber die Wolken den Himmel bedeckt haben, wird der Mondschein
trübe. Der Überschuss an Emotionen kann die Selbstkontrolle stören,
und der Mensch gleicht einem Wanderer, der sich in der Finsternis
vorantastet.
Es
ist vor allem die Natürlichkeit
des Verhaltens, die das energetische Gleichgewicht des Organismus
und die innere Ruhe gewährleistet. Die Gelassenheit und innere
Sammlung ermöglichen es, auf die feinsten Schattierungen der Ereignisse
scharfsinnig zu reagieren, so wie der Wasserspiegel vom winzigsten
Windhauch in Bewegung gerät. Dem Prinzip der Natürlichkeit folgend,
wird der Mensch sogar in schwierigsten kritischen Momenten die
Selbstbeherrschung nicht verlieren.
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